Die mediale Berichterstattung über Krieg und Gewalt erreicht die Kinderzimmer

Die aktuellen Nachrichten in den klassischen und sozialen Medien verunsichern sowohl Erwachsene als auch Kinder und Jugendliche. Bei Kindern tritt vermehrt blanke Angst auf. Diese ist oft dadurch begründet, dass sie die aktuelle Gefahr, aufgrund fehlender Erfahrungs- und Bezugswerte, nicht einordnen können und vor allem auch schnell durch Falschinformationen in hohem Maße verängstigt sind.

Erst gestern hat mich eine Mutter kontaktiert, deren 9 jähriger Sohn weinend zu ihr kam und felsenfest davon überzeugt war, dass wir nun alle sterben, weil Krieg ist und bei einem Krieg alle umgebracht werden. Diese Nachricht hatte sich in seiner Peergroup durch eine Fehldeutung der Nachrichten in Medien verbreitet.

Hier gilt es für Eltern und Lehrer in erster Linie sachlich zu bleiben. Versuchen sie die Geschehnisse altersgerecht zu erklären und gehen sie auf Fragen der Kinder ein.

Nehmen sie die Ängste der Kinder ernst und versuchen sie diese durch stichhaltige Argumente zu entkräften. Kinder haben ein großes Sicherheitsbedürfnis. Machen sie klar, dass die aktuelle Situation bei uns in Deutschland momentan sehr sicher ist und dass dem Kind keinerlei reale Gefahr droht.

Geben sie älteren Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, über die aktuellen Geschehnisse zu diskutieren. Erfahrungsgemäß ist die Einschätzungsfähigkeit solcher Ereignisse im Jugendalter besser, aber bedarf auch der ein oder anderen Feinjustierung.

Auch haben wir in der Zeit der Kriegshandlungen in Syrien in den Schulen die Erfahrung gemacht, dass Videos von realen Kampfhandlungen und sogar Hinrichtungen unter den Schülern kursieren. Warnen sie ihre Kinder eindringlich vor dem Schauen solcher Videos falls solche wieder kursieren sollten.

Versuchen auch sie sich vor zu großer Informationsflut und Angst zu schützen. Es ändert beispielsweise nichts an ihrer eigenen Situation, ob sie wissen, wo die russischen Truppen gerade angreifen. Möglicherweise kann sie aber die momentane Dauerbeschallung durch die Medien selbst in Angst und Panik versetzten oder zumindest ihre Stimmung trüben. Kinder haben einen feinen Sinn für solche Anspannungen und reagieren folglich ebenso angespannt und betrübt. Lassen sie deshalb die aktuellen Geschehnisse nicht über die Maßen das Gespräch im heimischen Wohnraum beherrschen.

Noch nie gab es die Möglichkeit, durch verschiedenste Bild und Videoaufnahmen, geteilt in Fernsehen, Livetickern und sozialen Medien, einen Krieg in Europa in nahezu Echtzeit aus nächster Nähe mitzuverfolgen.

In keiner Weise möchte ich durch diesen Artikel die Geschehnisse in der Ukraine verharmlosen, aber es ist ebenso wichtig, unsere Psyche, welche durch die Coronasituation momentan in vielen Fällen sowieso schon belastet ist, zu schützen.

Franz Strasser, Medienzentrum Dingolfing-Landau